Terrasse, Balkon oder Garten lassen sich mit Fliesen ganz nach individuellen Vorlieben in verschiedenen Stilrichtungen geschmackvoll gestalten. Allerdings sind die Anforderungen im Außenbereich wesentlich höher als im Innenbereich. Welche Voraussetzungen Fliesen erfüllen müssen, um draußen als Bodenbelag dauerhaft bestehen zu können und was Sie bei der Verlegung unbedingt beachten sollten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Einsatzmöglichkeiten von Fliesen: Außenbereich vs. Innenbereich

Von klein bis groß, von hell bis dunkel, von Naturstein bis Holzoptik – Fliesen gibt es in den unterschiedlichsten Formaten, Farben und Ausführungen. Gepaart mit ihren vorteilhaften Eigenschaften in Bezug auf Komfort, Strapazierfähigkeit und Reinigung ergeben sich somit nahezu grenzenlose Anwendungsmöglichkeiten. Kein Wunder also, dass Fliesen nicht nur innen, sondern auch im Außenbereich als Bodenbelag gleichermaßen beliebt wie verbreitet sind. 

Allerdings herrschen außen ganz andere Bedingungen, als es in geschlossenen Wohnräumen der Fall ist. Der Boden ist ganzjährig der Witterung ausgesetzt und das Wechselspiel aus Sonne, Regen, Eis und Schnee verlangt dem Material so einiges ab. Damit der Belag im Außenbereich dauerhaft bestehen kann, müssen Fliesen daher besonders robust und widerstandsfähig gegen äußere Einflüsse und Beanspruchung sein.

Welche Fliesen sind für den Außenbereich geeignet?

Um sicherzustellen, dass die Fliesen den tagtäglichen Belastungen auf der Terrasse, dem Balkon oder im Garten auch tatsächlich gewachsen sind, sollten bei der Auswahl folgende Kriterien berücksichtigt werden:

Witterungsbeständigkeit und Frostsicherheit

Das wichtigste Kriterium für Fliesen im Außenbereich ist, dass sie witterungsbeständig sind. So muss das Material nicht nur der Hitze bei direkter Sonneneinstrahlung im Sommer standhalten können, sondern vor allem auch Kälte und Frost im Winter.

Maßgeblich für die Frostsicherheit ist die Wasseraufnahmefähigkeit. Dabei gilt: je weniger, desto frostbeständiger. Wenn zu viel Wasser durch Luftfeuchtigkeit oder Niederschläge in Fliesen und Fugen eindringt und sich bei Kälte ausdehnt, besteht die Gefahr von Rissen, Abplatzungen oder Ausblühungen.

Eine poröse Oberfläche nimmt prinzipiell mehr Wasser auf, als eine feinporige. Deshalb ist reines Steingut aufgrund seiner Beschaffenheit auch grundsätzlich für den Außenbereich nicht zu empfehlen. Keramische Fliesen aus Steinzeug oder Feinsteinzeug, aber auch Naturstein (z. B. Granit) oder Terrakotta können sehr wohl auch draußen verwendet werden, sofern sie laut Angaben des Herstellers dafür zugelassen sind.

Ausschlaggebend für den Grad der Frostsicherheit ist die Klassifizierung, nach der die Fliesen aufgrund ihres Wasseraufnahmevermögens in folgende fünf Gruppen unterteilt werden:

Gruppe Ia: < 0,5 % Wasseraufnahmevermögen

Gruppe Ib: < 3 % Wasseraufnahmevermögen

Gruppe IIa: 3 bis 6 % Wasseraufnahmevermögen

Gruppe IIb: 6 bis 10 % Wasseraufnahmevermögen 

Gruppe III: > 10 % Wasseraufnahmevermögen

Fliesen der Gruppe Ia und Ib – also bis zu einer Wasseraufnahmefähigkeit von maximal 3 Prozent – gelten allgemein als frostsicher. Sie sind zusätzlich mit einem blauen Eiskristall als Symbol gekennzeichnet und können bedenkenlos im Außenbereich verlegt werden. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten im Optimalfall eine Fliese mit einer Wasseraufnahmefähigkeit von unter 0,5 Prozent bevorzugt werden. 

Bei Gruppe IIa und IIb besteht hingegen bereits ein beträchtliches Risiko für Frostschäden – und von Gruppe III ist im Außenbereich ohnehin gänzlich abzuraten, wenn der Bodenbelag den Winter unbeschadet überstehen soll.

Abriebfestigkeit

Ein weiteres Auswahlkriterium für Außenfliesen ist die Abriebfestigkeit. Sie entscheidet darüber, für welche Beanspruchung die Oberfläche geeignet ist, ohne dass sich Abnutzungs- und Verschleißerscheinungen abzeichnen. 

Unterteilt wird dabei in 5 Abriebgruppen:

Abriebgruppe 1: Sehr leichte Beanspruchung 

Abriebgruppe 2: Leichte Beanspruchung 

Abriebgruppe 3: Mittlere Beanspruchung

Abriebgruppe 4: Stärkere Beanspruchung

Abriebgruppe 5: Sehr starke Beanspruchung

Mit unglasierten Fliesen kann im Außenbereich im Grunde nichts schiefgehen – sie können immer der höchsten Abriebklasse zugeordnet werden. Die Härte der Oberfläche ist vergleichbar mit jener von Diamanten, wodurch sie selbst bei extremer Beanspruchung nahezu unzerstörbar sind.

Bei glasierten Fliesen sieht die Sache hingegen etwas anders aus. Je nach Art und Ausführung der Glasur sowie dem Grad der Beanspruchung und der Verschmutzung sind im Laufe der Zeit sichtbare Gebrauchsspuren durchaus möglich. Deshalb sollten glasierte Fliesen auf dem Balkon mindestens Abriebklasse 3 aufweisen, für den Einsatz auf Terrassen oder im Garten ist sogar eher Abriebklasse 4 zu empfehlen. 

Rutschfestigkeit

Last but not least sollte bei Außenfliesen auch besonderes Augenmerk auf die Rutschsicherheit gelegt werden. Denn nasse oder feuchte Fliesen können schnell rutschig werden und böse Stürze oder Verletzungen zur Folge haben.

Zu erkennen ist die Rutschfestigkeit an den Rutschhemmklassen, in die Fliesen abhängig von ihrem Haftreibwert unterteilt werden:

R9: geringer Haftreibwert, trittsicher bei einem Neigungswinkel von 6 – 10°

R10: normaler Haftreibwert, trittsicher bei einem Neigungswinkel von 11 – 19°

R11: erhöhter Haftreibwert, trittsicher bei einem Neigungswinkel von 20 – 27°

R12: großer Haftreibwert, trittsicher bei einem Neigungswinkel von 28 – 35°

R13: sehr großer Haftreibwert, trittsicher bei einem Neigungswinkel von über 35°

Im Außenbereich sollte mindestens R10 gewählt werden, bei besonderer Rutschgefahr (z. B. auf Treppen) gewährleistet R11 noch bessere Trittsicherheit. In Bereichen, die auch barfuß häufig betreten werden (z. B. im und rund um den Pool oder in der Gartendusche), sollte außerdem auch auf die zusätzliche Kennzeichnung „B“ oder „C“ für die Eignung in nassbelasteten Barfußbereichen geachtet werden. 

Unglasierte Fliesen bieten im Außenbereich auch in Bezug auf die Rutschhemmung einen gewissen Vorteil. Sie sind dank ihrer rauen Oberfläche von Natur aus rutschfester. Auch kleine Fliesenformate können die Rutschsicherheit durch den deutlich größeren Fugenanteil zusätzlich erhöhen.

Garten, Balkon und Terrasse: Fliesen für den Außenbereich richtig auswählen

Bei der Auswahl von Fliesen für die Terrasse, den Balkon oder den Garten empfiehlt es sich also, stets zur höheren Qualitätsklasse zu greifen. Das kann sich zwar insgesamt auf den Preis auswirken, doch die Mehrkosten lohnen sich schon allein durch die höhere Lebensdauer der Bodenfliesen.

Welche Außenfliesen letztendlich am besten sind, richtet sich in erster Linie nach persönlichen Vorlieben und dem Stil des Hauses. Bodenfliesen für draußen gibt es genauso wie für innen in den unterschiedlichsten Oberflächen (z. B. unglasiert, glasiert, matt, seidenmatt, hochglänzend etc.), Optik (z. B. Holzoptik, Natursteinoptik, Marmoroptik etc.), Formaten (z. B. quadratisch, rechteckig) und Farben.

Worauf ist bei der Verlegung im Außenbereich zu achten?

Die Entscheidung für die passenden Außenfliesen ist allerdings nur die halbe Miete. Denn selbst beim besten Belag können – meist durch Wasser verursachte – Schäden auftreten, wenn die Fliesen nicht sachgerecht verlegt sind. 

Deshalb sollte die Verlegung im Außenbereich mit großer Sorgfalt unter Berücksichtigung folgender Faktoren erfolgen:

Untergrund vorbereiten

Der Untergrund für Außenfliesen muss tragfähig, frostsicher und vollkommen ebenmäßig sein. Am besten geeignet sind Beton-Platten oder ein mit Baustahlmatten bewehrter Zementestrich auf einer verdichteten und ausreichend drainagierten Schotter- oder Kiesschicht. 

Dabei ist auf ein Gefälle von 2 Prozent zu achten, damit Wasser rasch nach außen von den Fliesen abfließen kann. Um den Fliesenboden auch von unten vor Feuchtigkeit zu schützen, sollte die Unterkonstruktion außerdem abgedichtet werden (z. B. mit Bitumenanstrich oder Dichtschlämme sowie doppellagiger PE-Folie). Zudem sollte die Oberfläche vor dem Verlegen noch einmal sorgfältig auf Risse, Unebenheiten oder eventuelle Rückstände von entfernten Bodenbelägen überprüft und diese gegebenenfalls ausgebessert werden.

Das passende Verlegematerial

Bei der Verlegung im Außenbereich sollten ausschließlich flexible Fliesenmörtel oder -kleber verwendet werden, um Spannungen auf der Bodenfläche zu reduzieren und somit Sprünge oder Risse in den Fliesen zu vermeiden.

Fliesen richtig verlegen

Bei der Verlegung der Fliesen selbst gilt es, Hohlräume zwischen dem Untergrund und den Fliesen zu vermeiden, um Wassereinschlüssen vorzubeugen. Am besten gelingt das mit dem sogenannten Buttering-Floating-Verfahren, bei dem der Fliesenmörtel oder -kleber sowohl auf dem Untergrund als auch auf der Rückseite der verlegten Fliese aufgetragen wird. Alternativ dazu kann auch die Dünnbettverlegung angewendet werden, bei dem die Fliesen abschnittsweise direkt in den feuchten Fließbettmörtel oder Fliesenkleber gedrückt werden. 

In den Randbereichen ist unbedingt auf die notwendigen Dehnungsfugen zu achten, um dem Boden den nötigen Spielraum für temperaturbedingte Ausdehnung zu bieten und somit Spannungen zu vermeiden. Wichtig ist darüber hinaus, dass der Fliesenkleber aushärten kann (ca. 48 Stunden), bevor mit dem Verfugen begonnen wird.

Fliesen sorgfältig verfugen

Undichte Fugen sind häufig die Achillessehne bei Außenfliesen. Durch sie kann Feuchtigkeit leicht eindringen und zu Schäden im Unterbau, dem Fliesenmörtel oder den Fliesen selbst führen. Deshalb ist beim Verfugen im Außenbereich besondere Vorsicht und Genauigkeit gefragt. 

Um ein möglichst präzise arbeiten zu können, sollte die Fugenmasse mit einem Gummiwischer diagonal zum Fugenverlauf in die Zwischenräume eingebracht werden. Überschüssiger Fugenmörtel kann nach ca. 15 Minuten Antrocknungsphase mit einem Schwammbrett entfernt werden. Im letzten Schritt können dann die Dehnungsfugen und sonstige Übergänge mit Silikon abgedichtet werden.

ACHTUNG: Begeh- und belastbar ist die Fläche erst, wenn der Fliesenmörtel bzw. -kleber vollständig ausgehärtet ist. Diese Phase kann je nach Produkt unterschiedlich lange dauern, weshalb die Herstellerangaben unbedingt zu beachten sind. Während der Trockenphase sollte zu hohe Luftfeuchtigkeit und direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden.