Bei der Suche nach den passenden Bodenfliesen spielt die Abriebgruppe eine wesentliche Rolle. Denn daran lässt sich erkennen, wie gut das Produkt den täglichen Belastungen standhält. In welche Abriebklassen Fliesen eingeteilt werden und für welchen Bereich diese demnach geeignet sind, erfahren Sie im folgenden Artikel. 

Ob im privaten Wohnbereich, zur gewerblichen Nutzung oder im Außenbereich – Fliesen gelten allgemein als äußerst robust und strapazierfähig. Vorausgesetzt natürlich, sie sind der täglichen Beanspruchung im jeweiligen Bereich auch tatsächlich gewachsen. Entscheidendes Kriterium in diesem Zusammenhang ist, wie viel Abrieb Fliesen produzieren – und dabei gibt es mitunter durchaus große Unterschiede.

Glasierte vs. unglasierte Fliesen: Abrieb hängt von der Oberfläche ab

Unglasierte Fliesen sind selbst bei höchster Beanspruchung und Belastung in der Regel unverwüstlich. Das spezielle Verfahren bei der Herstellung macht das Material so hart wie Diamanten und dementsprechend resistent gegen oberflächliche Beschädigungen und Abnutzung. Zusätzlich punkten unglasierte Fliesen aufgrund der rauen Oberfläche auch in Bezug auf die Rutschhemmung. Was im Umkehrschluss bedeutet: Sie lassen sich in jedem Bereich und in allen Räumen ohne Einschränkung einsetzen, ohne dabei besonders auf Trittsicherheit oder Abriebfestigkeit achten zu müssen.

Im Gegensatz dazu hat für glasierte Fliesen Abrieb wesentlich mehr Relevanz. Die Glasur macht die Oberfläche nämlich deutlich empfindlicher für äußere Einflüsse. So kann es nicht nur zu einer verminderten Rutschhemmung bei Nässe oder Feuchtigkeit kommen, sondern im Laufe der Zeit eben auch zu Abnutzungserscheinungen und Verschleiß. Diese Gebrauchsspuren werden besonders bei kratzender Verschmutzung und schleifenden bzw. reibenden Bewegungen bei der Begehung mit Schuhwerk häufig durch Glanzverlust an den betroffenen Stellen sichtbar. Und das wiederum führt mitunter zu Einschränkungen bei den möglichen Einsatzbereichen. Nicht zuletzt deshalb sind keramische glasierte Fliesen auch einer Abriebgruppe nach DIN EN 10545-7 zugeteilt.

Qualitätskriterium Abriebklasse: Fliesen im Härtetest

Um die Widerstandsfähigkeit der Oberfläche gegen Verschleiß und Abnutzung beurteilen zu können, werden glasierte Fliesen daher in einem genormten Prüfverfahren auf ihre Abriebbeständigkeit getestet. Dabei erzeugt eine Maschine durch rotierende Stahlbürsten unter Zugabe von Wasser und Schleifmitteln so lange künstlichen Abrieb, bis sich die Oberfläche der Fliesen sichtbar verändert. Je nachdem, nach wie vielen Rotationen das der Fall ist, werden die Fliesen nach DIN EN 10545-7 in die Abriebgruppen 1 bis 5 unterteilt. 

Welche Abriebgruppe Fliesen haben sollten

Der Abrieb von glasierten Fliesen hängt sowohl von der Glasur selbst (Härtegrad, Dicke, Glanzgrad etc.), als auch von der Begehungsfrequenz, dem Grad der Verschmutzung und der Art sowie der Intensität der Nutzung im jeweiligen Bereich ab. 

All diese Faktoren werden in der Abriebklasse ebenfalls berücksichtigt, weshalb sie insgesamt ein entscheidendes Qualitäts- und Auswahlkriterium bei Fliesen darstellt. Um zu erkennen, ob die Fliesen für den geplanten Einsatzort überhaupt in Frage kommen, lohnt es sich daher bereits beim Kauf, auf diese Klassen zu achten. Was die jeweilige Fliesen-Abriebklasse im Detail bedeutet, zeigt die folgende Übersicht.

Abriebgruppen im Überblick

Abriebgruppe 1:

Fliesen dieser Klasse sind nur für sehr leichte Beanspruchung geeignet. Die Oberfläche reibt sich schnell ab und ist äußerst empfindlich bei kratzender Verschmutzung. Die empfohlene Verwendung für diese Fliesen ist prinzipiell als Wandbelag. Als Bodenbeläge kommen sie – wenn überhaupt – nur für Räume in Frage, die bei geringer Begehungsfrequenz überwiegend barfuß oder nur mit sehr weichen Sohlen, wie etwa Hausschuhe, begangen werden (zum Beispiel Schlafzimmer oder Badezimmer). Wegen ihrer geringen Widerstandsfähigkeit und der eingeschränkten Anwendung werden Fliesen der Abriebgruppe 1 von den Herstellern allerdings generell nur noch selten angeboten.

Abriebgruppe 2:

Bereits etwas robuster sind Fliesen der Gruppe 2: Sie können für Räume mit leichter Beanspruchung verwendet werden. Die Oberfläche hält geringer kratzender Verschmutzung stand und ist daher grundsätzlich resistent genug, um mit normalem Schuhwerk darauf zu gehen. Allerdings sollte die Begehungsfrequenz nicht zu hoch sein. Fliesen dieser Abriebgruppe eignen sich deshalb für den privaten Wohnraum, mit Ausnahme von stark frequentierten und beanspruchten Bereichen, wie etwa Küchen oder Treppen.

Abriebgruppe 3:

Im privaten Wohnbereich sind Fliesen der Klasse 3 am häufigsten zu finden. Sie halten mittlere Beanspruchung gut aus und sind daher auch für die meisten Räume mit durchschnittlicher Begehungsfrequenz und Verschmutzung geeignet (zum Beispiel Wohnräume, Dielen, Flure). Sind die Fliesen prinzipiell für den Außenbereich zugelassen, können sie zudem auf Balkonen verlegt werden. Auch in Hotelzimmern sind Fliesen der Abriebgruppe 3 durchaus bereits einsetzbar.

Abriebgruppe 4:

Für Räume, die häufig mit normalem Schuhwerk betreten werden oder die stärkeren Belastungen ausgesetzt sind, empfehlen sich Fliesen der Abriebgruppe 4. Sie bleiben auch bei hoher Beanspruchung abriebfest und punkten mit einer dementsprechend langen Lebensdauer. Sie können nicht nur im gesamten privaten Wohnbereich innen wie außen uneingeschränkt eingesetzt werden, sondern sind auch bereits für öffentliche oder gewerblich genutzte Bereiche belastbar genug. Geeignet sind Fliesen dieser Klasse für unter anderem für Treppen, Küchen, Terrassen, Büros, Hotels, Eingangsbereiche etc.

Abriebgruppe 5:

Fliesen der Klasse 5 werden hauptsächlich in gewerblich genutzten Bereichen eingesetzt. Sie weisen maximale Widerstandsfähigkeit und Abriebfestigkeit auf, weshalb sie auch bei höchster Beanspruchung, Begehungsfrequenz und Verschmutzung überzeugen. Relevant sind Fliesen der Abriebgruppe 5 vor allem für Geschäfte, Gastronomiebetriebe und Hotellobbys, aber auch für Garagen, Industriehallen, Schulen oder Bahnhöfe. Für private Haushalte sind derart robuste Fliesen in aller Regel nicht notwendig.

An dieser Stelle sei der Vollständigkeit halber aber noch einmal erwähnt, dass unglasierte Fliesen standardmäßig immer der höchsten Abriebklasse zugeordnet werden können. Speziell für stark frequentierte Bereiche sind sie deshalb mitunter die bessere Wahl. Vor allem bei extremer Beanspruchung empfiehlt es sich demnach, auf das von Natur aus äußerst abriebfeste Material zu setzen.

Achtung: Rutschhemmung nicht vergessen!

Damit Fliesen nicht nur Belastungen optimal standhalten, sondern auch über die nötige Trittsicherheit verfügen, sollte bei der Auswahl der Fliesen neben der Abriebgruppe auch auf die Rutschhemmklasse geachtet werden. Vor allem für die Verwendung in Badezimmern, Duschen oder im Außenbereich ist dies von besonderer Bedeutung. Denn die Glasur der Fliesen neigt bei Nässe oder Feuchtigkeit häufig dazu, sich in eine Rutschbahn zu verwandeln. 

Durch die Klassifizierung der Rutschhemmung R9 bis R13 ist erkennbar, welchen Haftreibwert glasierte Fliesen haben und bis zu welchem Neigungswinkel die Oberfläche gefahrenlos betreten werden kann. Der Zusatz A, B oder C gibt außerdem an, wie rutschfest die Fliesen in barfußbelasteten Nassbereichen (z. B. Badezimmer, Duschen, Schwimmbädern etc.) sind.

Extra-Tipps gegen Abrieb

Die Auswahl der geeigneten Abriebgruppe beeinflusst die Lebensdauer von glasierten Fliesen bereits wesentlich. Damit der Fliesenboden jedoch noch länger frei von sichtbaren Gebrauchsspuren bleibt, sollte auch die Farbe bzw. der Helligkeitsgrad der Fliesen der Nutzung angepasst sein. So empfiehlt es sich etwa, in Bereichen mit hoher Beanspruchung keine zu dunklen Fliesen zu verwenden, da eventuelle Farb- und Glanzveränderungen auf diesen mehr auffallen. Zudem sollten Sie z.B. unter Schreibtischen immer eine Stuhlunterlage berwenden.

Weiters gilt es natürlich, die Fliesen regelmäßig und sachgerecht zu reinigen. Durch den Druck und die Reibung bei der Begehung des Bodens haben Schmutz- und Staubpartikel sonst einen ähnlichen Effekt wie Schleifpapier – und das kann früher oder später unerwünschte Auswirkungen auf die Optik der Fliesen haben.

In besonders stark frequentierten Bereichen können außerdem Schmutzfangmatten oder Fußabtreter ausgelegt werden, um den gröbsten Schmutz von Straßenschuhen zu entfernen und so die Fliesen zusätzlich zu schonen.